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Vor 120 Jahren – Die erste Langstreckenfahrt mit einem Automobil

Vor 120 Jahren – Die erste Langstreckenfahrt mit einem Automobil

Am 16. Juli 1894 brach Theodor Baron von Liebieg in seinem Heimatort Reichenberg in Böhmen (dem heutigen Liberec in der Tschechischen Republik) mit seinem Benz Victoria auf. Sein Ziel: Gondorf in der Nähe von Koblenz. Was sich relativ einfach anhört, war in der damaligen Zeit ein ziemliches Abenteuer. Die Fahrt wird heute als die erste Langstreckenfahrt mit einem Automobil angesehen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 13,6 km/h.

Es war jedoch alles andere als ein Freizeitausflug. Das Auto war offen und bot weniger Schutz als viele Kutschen. So waren Fahrer und Beifahrer den Elementen schutzlos ausgesetzt. Die Straßen ließen sich im besten Fall als geflickt bezeichnen und selbst das machte die Fahrt alles andere als komfortabel. Aus heutiger Sicht war das Fahrzeug äußerst zuverlässig. Dennoch präsentierte es den Fahrer mit Herausforderungen. Oft standen ein verstopfter Vergaser, eine Neueinstellung der Zündkontakte und lose Radmuttern auf der Tagesordnung. Benzin war damals noch nicht bequem an der Tankstelle erhältlich. Stattdessen wurde es nur von Apothekern und Drogerien vertrieben. Entsprechend war der Benzinverbrauch eine wichtige Größe. Dieser lag bei 21 Litern für 100 km. Ähnlich bemerkenswert war der Wasserverbrauch des offenen Kühlsystems von ungefähr 150 Litern pro 100 km. Die Höchstgeschwindigkeit des Benz Victoria betrug 20 km/h.

Nichtsdestotrotz meisterte der 22-jährige von Liebieg an der Seite seines Begleiters und Freundes Franz Stransky die Herausforderungen dieser Reise. Sie blieben danach für einen ganzen Monat in Gondorf, der Heimat von von Liebiegs Mutter. Von dort brachen sie zu mehreren weiteren Ausflügen im Victoria auf. Darunter eine Fahrt nach Reims in Frankreich. Am 22. August begannen sie ihre Rückreise von Gondorf über Mannheim nach Reichenberg. Neun Tage später trafen sie am 31. August dort ein. Insgesamt legten sie in diesem Sommer 2.500 km zurück.

Der Victoria von Theodor von Liebieg war eines der ersten gebauten Modelle. Er trug die Produktionsnummer 76 und wurde später von den Spezialisten des Mercedes-Benz Classic Centers aufwändig restauriert. Heute ist er in einem Museum in Prag ausgestellt. Theodor von Liebig kaufte das Auto im Alter von 21 Jahren direkt von Carl Benz. Im Oktober 1893 reiste er dafür extra nach Mannheim. Es heißt, dass er Carl Benz über seinem Wunsch informierte, zurückzukehren und ihn im folgenden Jahr in diesem Auto zu besuchen. Benz soll von diesem Plan erstaunt gewesen sein. Seine vorherigen Kunden hörten sich die Prognosen über den Triumphzug des Automobils zwar an, glaubten damals aber nicht daran, dass dieses solche Strecken würde zurücklegen können. Baron von Liebieg ließ sich zunächst von einem Benz-Mechaniker einweisen. Nachdem der Victoria mit dem Zug nach Reichenberg transportiert worden war, unternahm von Liebieg damit seine erste Testfahrt. Danach erhielt er als erster Fahrer in dieser Region einen Führerschein.

Die Rundfahrt gefiel von Liebieg und seinem Begleiter so gut, dass sie sie ein Jahr später wiederholten. Diesmal fuhren sie auf einer direkteren Route nach Gondorf und erreichten ihr Ziel bereits nach vier Tagen. Erneut blieben sie für einen Monat dort, unternahmen weitere Ausfahrten und besuchten auf ihrer Heimfahrt abermals Carl Benz. Sie blieben für drei Tage in Mannheim, in denen das Auto komplett überholt wurde. Das Vertrauen von Benz in Theodor von Liebieg stieg stetig an. Er bat ihn, am 20. September 1899 einen Tourenwagen im ersten deutschen Rennen von Berlin nach Leipzig zu pilotieren. Aus diesem Rennen ging er siegreich hervor.

Der Benz Victoria schrieb Automobilgeschichte. Er war das erste vierrädrige Fahrzeug mit Achsschenkellenkung und eine der wichtigsten Erfindungen von Carl Benz. Die Bedeutung des Fahrzeugs ist bis heute ungebrochen. Der Einzylinder-Motor mit einem aufrechten Schwungrad wurde in horizontaler Position eingebaut. Die erste Generation aus dem Jahr 1893 besaß 3 PS. Von Liebiegs Auto hatte eine Leistung von 4 PS. In späteren Jahren wurde diese bis auf 6 PS gesteigert. Der Victoria soll das Lieblingsauto von Carl Benz gewesen sein. Die Produktion wurde bis 1900 fortgesetzt.

Die Route

Gemäß den Aufzeichnungen von Theodor Baron von Liebieg wählte er die folgende Route mit seinem Benz Victoria:

16. Juli: Reichenberg - Zittau - Bautzen - Dresden - Wilsdorf - Waldheim (196 km in 14 Stunden)

17. Juli: Waldheim - Altenburg - Zeitz - Eisenberg (112 km in acht Stunden)

18. Juli: Eisenberg - Jena - Weimar - Erfurt - Gotha - Eisenach (136 km in neun Stunden)

19.-20. Juli: Zweitägige Fahrt ohne Übernachtung: Eisenach - Hünfeld - Fulda - Hanau - Offenbach - Frankfurt - Darmstadt - Lampertheim - Mannheim (282 km in 26 Stunden)

21. Juli: Mannheim - Kreuznach - Bingen - Boppard (173 km in 10 Stunden)

22. Juli: Boppard - Koblenz - Gondorf (40 km in zwei Stunden)

Gesamte Fahrzeit/Gesamtdistanz: 69 Stunden, 939 km

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