• Die F1 von ihrer besten Seite: Die Geschichte hinter dem Ventura Project

Ein Schüler-Podcast erzählt die beeindruckende Geschichte darüber, wie Formel 1-Ingenieure binnen 100 Stunden beim Kampf gegen COVID-19 mithalfen.

Die Covid-19-Pandemie hat die Welt verändert. Die gemeinsame Reaktion unseres Sports in Form von "Project Pitlane" brachte jedoch die besten Seiten der Formel 1 zum Vorschein: Innovation, Reaktionsfähigkeit, Teamwork und Leistung unter Zeitdruck. All dies waren entscheidende Zutaten bei der Entwicklung von Atemhilfen, die dringend zur Behandlung von COVID-19-Patienten benötigt wurden.

Aber wie genau lief das ab? Wie kam die Zusammenarbeit zwischen Mercedes-AMG High Performance Powertrains (HPP) und den Ingenieuren vom University College London (UCL) sowie Klinikern vom UCL Hospital (UCLH) zustande? Und woher stammt eigentlich der Name "Ventura Project"?

Genau diesen Fragen gingen Schüler der St Edward's School aus Oxford in einer vierteiligen Podcast-Reihe auf den Grund, die sich unter dem Titel "The Ventura Project: How F1 Met Healthcare" in rund 90 Minuten Spielzeit mit der Entstehungsgeschichte und der Umsetzung des Projekts beschäftigt.

Alle vier Episoden des Podcasts können hier angehört werden.

01M231660
02M231630

Die Aufgabe ist einfach umrissen, aber nur schwer zu meistern: es musste rasch ein bestehendes Continuous Positive Airway Pressure (CPAP) Gerät analysiert und nachgebaut werden, um es schnell in Massen produzieren zu können. Schnelle Reaktionszeiten und Umsetzungen gehören in der Formel 1 zum Alltag. So traf sich Ben Hodgkinson, Head of Mechanical Engineering bei HPP und Gastprofessor an der UCL, mit einem ehemaligen Kollegen zu einem Kaffee und war sofort Feuer und Flamme für das Projekt.

"Ich war sofort begeistert, wie einfach es (das Gerät) war", erzählt er im Podcast. "Es war ein solider Plastikblock mit Standard-Hydraulikanschlüssen sowie einem Flussmechanismus, den ich erkannte. Ich dachte mir sofort: Wow, das ist genau etwas, was wir umsetzen können und vor allem schnell umsetzen können." Gesagt, getan: Vom ersten Meeting bis zur Produktion des ersten Geräts vergingen weniger als 100 Stunden.

Eine so schnelle Umsetzung des Projekts war nur durch den Einsatz aller Beteiligten möglich, die keine Sekunde Zeit verstreichen ließen. "Wir waren alle in London und als klar wurde, dass wir ein paar Nächte bleiben mussten, schickten wir einen der Studenten zum Einkaufen, damit wir etwas Anzuziehen und eine Zahnbürste hatten", verrät Ben. "Die einzigen T-Shirts, die er finden konnte, waren pinke Shirts mit der Aufschrift Ventura. Da Ventura ähnlich wie das thermodynamische Venturi-Gerät klingt, hielten wir das für den perfekten Namen."

Um den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen zu können und die benötigte Anzahl an CPAP-Geräten noch vor den erwarteten Anstieg an COVID19-Fällen fertigzustellen, rief Ben bei Andy Cowell an und fragte, ob er einige Leute seines Teams zu diesem Projekt hinzuziehen könnte. "Andy fragte mich: Wann? Und ich erwiderte: in rund zwei Stunden." Gemeinsam mit drei Kollegen begann Ben sofort damit, ein CPAP-Gerät zu vermessen und genau zu studieren. Gleichzeitig organisierte Andy ein ähnliches Gerät via ebay, um es parallel im Werk in Brixworth untersuchen zu können.

"Ich glaube, wir haben bis um fünf Uhr morgens gearbeitet und sind dann um sieben wieder aufgestanden - und das für drei Tage am Stück", erinnerte sich Ben zurück. "Ganz ehrlich, selbst in der Formel 1 habe ich noch nie so hart gearbeitet. Die Arbeit in der Formel 1 ist intensiv und stressig, aber ich sage mir dann immer: es sind nur Rennautos. Wenn man aber an etwas arbeitet, das möglicherweise Leben retten kann, dann gilt das nicht. Deshalb habe ich mich selbst noch nie so hart gepusht."

Der Aufwand hat sich gelohnt: die Geräte wurden in Rekordzeit entwickelt, produziert und an NHS Krankenhäuser verteilt. Am Ende bestellte die Regierung 10.000 der CPAP-Geräte, die im Technologiezentrum von Mercedes-AMG HPP in Brixworth gebaut wurden. Bei der Produktion kamen 40 Maschinen zum Einsatz, die normalerweise F1-Kolben und Turbolader produzieren. Die zur Herstellung der Geräte notwendigen Details werden nun für andere Hersteller aus aller Welt kostenlos zum Download angeboten.

03M231641