• Countdown zum W12: Was ist in Brixworth los?

Wenige Wochen vor der Präsentation des neuen Mercedes-AMG F1 W12 E Performance laufen die Arbeiten in den beiden Werken in Brackley und Brixworth auf Hochtouren. Aber woran arbeiten wir aktuell eigentlich?

Um das herauszufinden, statteten wir kürzlich Hywel Thomas, Managing Director von Mercedes-AMG High Performance Powertrains in Brixworth, einen Besuch ab. Er verriet uns, worauf im Moment das Hauptaugenmerk liegt und wie die Stimmung vor der neuen F1-Saison 2021 ist.

Es dauert nicht mehr lange, bis der W12 vorgestellt wird. Läuft auf Seiten der Power Unit alles nach Plan?

Hywel: Wir bauen gerade jede Menge Motoren für die neue Saison auf. Einige sind bereits montiert und andere laufen jetzt schon auf den Prüfständen, um die Zuverlässigkeit zu testen.

Gleiches gilt für die Motoren für unsere Kunden, die bereits an diese geliefert wurden. Teilweise wurde sie schon eingebaut und angelassen oder sie befinden sich gerade dabei. Wir wissen, dass wir noch einige Fragen und Probleme mit den Power Units haben, aber wir haben reichlich Pläne, um sie zu lösen und zu beantworten. Ich bin mir sicher, dass wir für das erste Rennen bereit sein werden.

Wie sind die Stimmung und die Atmosphäre in der Fabrik zu dieser Jahreszeit kurz vor dem Beginn der neuen Saison?

Hywel: Der Winter ist eine aufregende Zeit in der Fabrik. Aufregend, aber anstrengend. Wir sehen die Früchte unserer Arbeit und wie viel Performance wir mit dem Motor gewinnen konnten. Wir sehen, wie die Zuverlässigkeit der Motoren aussieht. Was wir natürlich noch nicht wissen, ist, wie gut die anderen Teams in ihren Werken gearbeitet haben. Das sorgt für Spannung, aber auch Nervosität und die Frage danach, ob unsere Arbeit gut genug war...

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In den Power Units für die neue Saison steckt sehr viel harte Arbeit. Welche Herausforderungen musste das Team dabei über den Winter meistern?

Hywel: Der Winter und die Vorbereitung auf eine neue Saison sind immer eine fordernde Zeit für uns. In diesem Jahr kamen sogar noch ein paar zusätzliche Dinge hinzu. Wir mussten zum ersten Mal auf Regeländerungen reagieren, die unsere Prüfstands-Stunden einschränken. Deshalb kommt es auf jeden Prüfstands-Versuch an, wir müssen sicherstellen, dass wir absolut produktiv sind, um während jeder Stunde so viel wie möglich über die Leistung und die Zuverlässigkeit der Power Unit zu lernen!

Gleichzeitig ist es der erste Winter, in dem wir uns auf eine Saison mit nur einem einzigen Upgrade vorbereiten mussten. Wir müssen unsere gesamte Performance in die erste PU für das erste Rennen packen. Bislang konnten wir das auf verschiedene Pakete für jede neue PU verteilen. Diese Herausforderung bedeutet, dass wir alles schon für das erste Rennen bereit haben und sicherstellen müssen, dass es zuverlässig ist.

In diesem Jahr gibt es auch mehr Rennen, aber die gleiche Anzahl an Power Units. Dadurch muss jede Power Unit mehr Rennen zurücklegen. Wir müssen jetzt sicherstellen, dass wir dafür bereit sind und uns noch mehr auf die Zuverlässigkeit konzentrieren. Eine weitere Herausforderung ist die kurze Winterpause, schließlich fand das letzte Rennen erst Mitte Dezember statt - und wir sind jetzt schon wieder voll im Schwung. Wir hatten also mehr zu tun und weniger Zeit dafür.

Die COVID-19 Pandemie hat dazu geführt, dass wir unsere Arbeitsweise anpassen mussten. Wie war es, eine F1 Power Unit während der Pandemie zu bauen und welche Herausforderungen hat das mit sich gebracht?

Hywel: Unsere gesamte Arbeit geschah während der weltweiten Pandemie, was natürlich zu zusätzlichen Problemen und Herausforderungen geführt hat. Die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Bei unserer Arbeit benötigen wir Leute in der Fabrik. Deshalb mussten wir viele Veränderungen vornehmen, um sicherzustellen, dass alles den COVID-Sicherheitsvorschriften entspricht. Alle eingeführten Tests und Vorschriften sind für uns unabdingbar.

Einige Teammitglieder können auch von Zuhause arbeiten und wir haben alles unternommen, um das zu ermöglichen. Es ist beeindruckend, wie viel IT und Innovation die Leute aufgebracht haben, um aus ihren eigenen vier Wänden so effektiv wie möglich arbeiten zu können.

Ich bin mir nicht sicher, wie wir vor 20 Jahren damit umgegangen wären! Aber dank der IT-Lösungen, die wir haben, konnten wir viel lernen und in einigen Bereichen sind wir sogar effektiver als in der Vergangenheit. Wir werden uns stetig weiterentwickeln und versuchen, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

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HPP beliefert in dieser Saison mit McLaren ein viertes Team im Starterfeld und muss deshalb 25 Prozent mehr Power Units bauen. Wie ist das Team in Brixworth an diese Aufgabe herangegangen?

Hywel: Natürlich heißen wir McLaren als Power Unit Kunden herzlich willkommen. Für unseren Alltag in Brixworth ist es am wichtigsten, dass wir keine Spezifikationen früher einfrieren müssen als sonst, obwohl wir mehr Motoren bauen und zu den Rennen schicken müssen. Denn diese Zeit bekommen wir nicht zurück und wir benötigen sie, um sicherzustellen, dass wir auch das letzte Bisschen Performance und Zuverlässigkeit aus der Power Unit herausholen können.

Das stellt uns vor einige Herausforderungen: Wie können wir die Motoren bauen und dabei effektiver und produktiver sein? Aber wir haben Pläne, um die zusätzlichen 25 Prozent zu bauen, ohne dass es einen riesigen Einfluss darauf hat, was wir an die Strecke bringen.

Im Jahr 2022 wird ein nachhaltigeres Benzin (E10) eingeführt. Wie laufen die Vorbereitungen auf das nächste Jahr und was bedeutet dieses Projekt für das Team bei HPP?

Hywel: Die größte uns betreffende Regeländerung für 2022 ist der Umstieg auf E10 Sprit, der nachhaltiges Ethanol enthält. Das ist eine Herausforderung für uns und unseren Benzinlieferanten PETRONAS, aber wir nehmen diese Aufgabe an.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Vorbereitung auf die Saison 2021 abgeschlossen und dadurch ein besseres Verständnis für die neuen Einschränkungen bei den Prüfstands-Versuchen sowie die Tatsache, dass wir nur ein Performance-Upgrade pro Saison erhalten.

Wir müssen unsere Herangehensweise an das Projekt leicht verändern, um die Einflüsse der Regeländerungen zu verstehen und mit den notwendigen Anpassungen darauf reagieren. So können wir sicherstellen, dass wir das Beste aus den Möglichkeiten herausholen.

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