• Was sind F1 Sprint Qualifying-Rennen?

In dieser Woche sehen wir uns die neuen Sprint Qualifying-Rennen genauer an, die beim Großen Preis von Großbritannien ihr Debüt geben werden.

Was sind F1 Sprint Qualifying-Rennen?

Das Wochenendformat beim Großen Preis von Großbritannien sieht anders aus als sonst. Der Grund dafür ist schnell gefunden: In Silverstone gibt es zum ersten Mal ein Sprint Qualifying-Rennen. Der Großbritannien GP ist das erste von drei Rennwochenenden, an denen dieser neue Zeitplan zum Einsatz kommen wird, um einen neuen Weg zur Festlegung der Startreihenfolge für das Rennen am Sonntag auszuprobieren.

Am Freitag steht den Teams nur ein 60-minütiges Freies Training zur Verfügung, um ihre Autos abzustimmen. Danach geht es direkt in das normale dreiteilige Qualifying-Format, das wir alle bereits kennen. Das Ergebnis des normalen Qualifyings entscheidet über die Startaufstellung für das Sprint Qualifying-Rennen.

Am Samstag folgt ein zweites 60-minütiges Freies Training vor dem Start des neuen Sprint Qualifying-Rennens, das über 100 Kilometer geht. In Silverstone bedeutet dies einen 17-Runden-Sprint, in dem die Startreihenfolge für den Grand Prix am Sonntag ausgefahren wird.

Das neue Format wurde von der F1, der FIA und den Teams eingeführt, um das Wochenende aufzupeppen, einige neue Variablen hinzuzufügen und eine zusätzliche Herausforderung zu schaffen. Dieser müssen sich alle Teams gemeinsam stellen, was für alle einen Schritt ins Ungewisse darstellt…

Der veränderte Zeitplan führt dazu, dass den Fahrern und Teams weniger Trainingszeit zur Verfügung steht, um ihre Auto abzustimmen. Das erste Training am Freitag stellt die einzige richtige Gelegenheit dar, um mit wenig Sprit an Bord für das Qualifying am Abend zu trainieren. Das zweite Training am Samstag wird sich auf Versuche mit mehr Sprit an Bord konzentrieren, um das Auto auf das Rennen am Sonntag einzustellen.

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Wie beeinflusst das neue Format das Team aus Sicht der Ingenieure?

Es hat einen ordentlichen Einfluss. Einer der wichtigsten Faktoren, den die Ingenieure berücksichtigen müssen, ist die Tatsache, dass die Autos nach dem ersten Training am Freitag in den Parc Fermé kommen. Sobald das Auto unter Parc Fermé Bedingungen ist, können wir nur noch sehr wenig verändern, da faktisch alles für den Rest des Wochenendes festgelegt ist.

Aus diesem Grund lastet im ersten Training ein deutlicher Druck darauf, das Setup sowohl für wenig als auch viel Benzin zu finden. Gleichzeitig muss auch die Kühlung für die Power Unit und die Bremsen berücksichtigt werden. Wer diese Parameter falsch wählt, könnte ab diesem Punkt vor einem schmerzhaften Wochenende stehen, da die Fahrzeugspezifikation für das normale Qualifying und danach festgelegt ist.

Zudem bleibt den Teams viel weniger Zeit, um am Auto zu arbeiten. Durch das Parc Fermé-Reglement haben die Mechaniker und Ingenieure nur dreieinhalb Stunden, um ihre Arbeiten am Fahrzeug durchzuführen. Ein Teil dieser Zeit wird außerdem mit der FIA verbracht, um die Legalität des Autos zu überprüfen und die nötigen Scrutineering-Checks durchzuführen. Wir erhalten das Auto am Samstagvormittag vor dem zweiten Training zurück und können dann noch einmal drei Stunden daran arbeiten.

An einem typischen Rennwochenende stehen dem Team am Freitagabend siebeneinhalb Stunden zur Verfügung, um am Auto zu arbeiten. Mit dem neuen Format sind die Zeiträume also kürzer und es lastet zusätzlicher Druck auf den Mechanikern und Ingenieuren, die viel mehr Arbeit in kürzerer Zeit verrichten müssen.

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Hat es auch einen Einfluss darauf, wie das Team an der Strecke arbeitet?

Es beeinflusst die Art und Weise, wie wir an der Strecke und mit den Fahrern arbeiten. Es ist ein ganz anderes Rennwochenende, das wir bislang noch nicht erlebt haben. Deshalb müssen sich die Teams alles genau ansehen – von der Planung der Analysen über die Anpassung ihrer Simulationsarbeit vor dem Event bis hin zu ihren mechanischen Arbeiten an den Autos rund um die Sessions. Alles verändert sich, um sich an den neuen Zeitplan anzupassen.

Einer der Schlüsselfaktoren ist der Druck, um die Fahrzeugspezifikation in viel kürzerer Zeit mit nur einem Training vor dem Qualifying fertigzubekommen. Nach dem ersten Event in Silverstone setzen sich dann alle Beteiligten zusammen, um zu diskutieren, was gut funktioniert hat und was weniger gut gelaufen ist. In diese Diskussionen und Entscheidungen werden auch die Fahrer eingebunden, damit wir alle auf das nächste Mal gut vorbereitet sind.

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Wie verändert sich das Wochenende aus Sicht eines Fahrers?

Die verringerte Trainingszeit bedeutet, dass man entweder den Flow und die Setuprichtung findet oder eben nicht. Es gibt nicht viel Zeit, um zu reagieren und Setupveränderungen zu testen, sollte man nicht auf Anhieb die richtige Abstimmung gefunden haben. Wer diese schneller findet, wird einen Vorteil haben.

Das könnte zu mehr Abwechslung führen, besonders in der Qualifying-Reihenfolge. „Das übliche Format war ziemlich standardisiert, abgesehen von einigen Wochenenden, an denen es weniger Training gab. Deshalb wird es schön, etwas anderes auszuprobieren und zu sehen, ob es neuen Schwung ins Wochenende bringt“, sagte Valtteri Bottas. „Ich schätze, es kann für dich oder gegen dich laufen, aber das werden wir bald herausfinden.“

Die Fahrer lieben es, Rennen zu fahren und das Sprint Qualifying-Format bedeutet ein bisschen mehr Racing für sie. Das ist also keine schlechte Sache. „Es gibt den Fans mehr zu sehen und wir können mehr Rennen fahren“, fügte Valtteri hinzu. „Sobald wir es in Silverstone und hoffentlich bei zwei weiteren Grands Prix ausprobiert haben, können wir sicher ein gutes Fazit ziehen, ob dies zukünftig bei einigen Rennen ein guter Weg ist oder nicht.“

Der Start und die erste Runde gehören zu den riskantesten Momenten für einen Fahrer und bestimmen die Richtung für das anstehende Rennen. Zwei stehende Starts, zunächst im Sprint Qualifying-Rennen am Samstag und danach beim normalen Rennen am Sonntag, sorgen für zusätzliches Drama und zusätzlichen Druck. Wenn ein Fahrer im Sprint Qualifying-Rennen schlecht wegkommt, dürfte das einen starken Einfluss auf das Hauptrennen haben und könnte den Sonntag für ihn umso schwieriger gestalten.

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