• Feature: Die Rolle eines F1-Simulator-Fahrers erklärt

Da die Zeit auf der Rennstrecke in der Formel 1 begrenzt ist, werden Simulationswerkzeuge für die Abstimmung und Entwicklung eines Autos immer wichtiger. Daher ist die Rolle des Simulator-Fahrers wichtiger als je zuvor.

Was macht ein Simulator-Fahrer?

Unser Driver-in-Loop (DiL)-Simulator ist eine hochmoderne Anlage in unserem Werk in Brackley, die 3D-Streckenkarten und detaillierte virtuelle Modelle des Fahrzeugs verwendet, die mithilfe hochentwickelter Lidar-Scanner erstellt werden.

Die Computersimulationen greifen auf diese virtuellen Modelle zurück und koppeln sie mit einem „virtuellen Fahrer“, um Tausende von Computerrunden zu absolvieren. Im DiL-Simulator wird der „virtuelle Fahrer“ durch einen realen Fahrer ersetzt, dessen Aufgabe es ist, in unserem hochentwickelten F1-Simulator – der ein echtes F1-Chassis und -Cockpit nachbildet – zu fahren und den Ingenieuren Feedback zu geben.

Die Rolle eines Simulator-Fahrers erstreckt sich auf die Zeit vor, während und nach einem Formel 1-Rennwochenende. Er arbeitet mit den beiden Rennfahrern und einer Gruppe von Ingenieuren zusammen, um Änderungen an der Abstimmung und das Gefühl für das Auto zu verstehen und unser Verständnis für das Auto zu verbessern.

Wir haben ein aufregendes Aufgebot von Simulator-Fahrern in unserem Team, die alle ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Motorsporthintergründe nutzen, um dazu beizutragen, unser Auto auf der Strecke schneller zu machen.

Dazu gehören langjährige Simulator-Fahrer in Brackley wie Anthony Davidson, aber auch neue Gesichter wie unsere Junior-Fahrer Frederik Vesti und Charlie Eastwood. Tom Gamble, Jake Hughes und Ben Barnicoat sind ebenfalls häufig in unserem Simulator im Einsatz.

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Wie sieht eine Rennwoche für einen Simulator-Fahrer aus?

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Die Tests im Simulator finden an fünf Tagen in der Woche statt. An einem typischen Tag im Simulator kann ein Fahrer bis zu 170 Runden absolvieren und in dieser Zeit eine Reihe von verschiedenen Abstimmungsänderungen vornehmen.

Vor einem Rennwochenende verbringen auch die beiden Einsatzfahrer Zeit im Simulator, um ein Gefühl für das Auto zu bekommen und erste Rückmeldungen zu Änderungen an der Abstimmung zu geben. Die Simulator-Fahrer können dann dort weitermachen, wo die Rennfahrer mit ihren Sitzungen im Simulator aufgehört haben.

Ziel der Arbeit im Vorfeld eines Rennwochenendes ist es, eine gute Grundabstimmung für das Auto zu finden, auf der die Fahrer dann am Freitag während der Trainings aufbauen können. Es gilt, eine realistische Balance zwischen Unter- und Übersteuern zu finden und ein erstes Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das Auto beim Bremsen und in den Traktionszonen verhält.

Während des Rennwochenendes verfolgen und beobachten die Sim-Fahrer dann das erste und zweite Training. Während des zweiten Trainings nimmt das Simulator-Team die schnellste Rundenzeit der Rennfahrer und versucht, ihr Auto so gut wie möglich zu korrelieren, so dass der Simulator-Fahrer in den Simulator springen und das Auto exakt so fahren kann, wie es die Einsatzpiloten getan haben. Hierzu fahren sie die gleichen Linien und versuchen, die Daten so gut wie möglich abzugleichen.

Von da an geht es darum, verschiedene Setup-Optionen für das Auto auszuprobieren, um mehr Performance zu erzielen. Der Kreislauf wird dann mit der Korrelation der Streckendaten geschlossen, sodass die potenziellen Änderungen analysiert und an das Team an der Strecke zurückgegeben werden können.

In den meisten Fällen werden die Erkenntnisse aus dem Freitags-Support für das Auto übernommen und helfen dabei, die Performance auf der Strecke zu verbessern. Diese Sitzungen finden unabhängig von der Zeitzone statt, in der sich das Team an der Strecke befindet. Manchmal arbeitet die Simulations-Crew also die ganze Nacht über in Großbritannien, um Feedback zu geben.

Nach dem Rennwochenende finden Simulationsläufe statt, um die Korrelation zu verfeinern und das Rennwochenende zu analysieren. Auf diese Weise will das Team herausfinden, ob irgendwelche Gelegenheiten verpasst wurden, die die Performance des Autos hätten verbessern können.

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Warum sind die Einsätze im Simulator so wichtig?

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Früher hatten die Formel 1-Teams viel mehr Freiheit und Flexibilität beim Einsatz ihrer Autos auf der Rennstrecke, doch im Laufe der Jahre haben sich diese Möglichkeiten verringert. Heute gibt es für die Teams außerhalb der Rennwochenenden nur noch sehr wenige Gelegenheiten, mit ihrem aktuellen Fahrzeug auf die Strecke zu gehen.

Aber in der Welt der Simulation sind die Möglichkeiten fast grenzenlos. Hier können Teile am Auto ausprobiert werden, bevor sie überhaupt produziert oder hergestellt werden, was unglaublich nützlich ist, um festzustellen, ob sie dem Auto Performance bringen und sich die Herstellung lohnt.

Mit dem neuen Reglement, das für 2022 eingeführt wurde, gab es so viel mehr über das Auto herauszufinden, weil es sich so anders verhält als seine Vorgänger. Und da es nur wenig Zeit auf der Strecke gibt, um Daten zu sammeln, sind Simulationswerkzeuge wie der DiL-Simulator enorm wichtig.

Simulator-Fahrer, die jede Woche Hunderte von Runden absolvieren, sind eine große Hilfe, um die Probleme eines Autos zu verstehen und Lösungen zu erarbeiten, auf die man sich verlassen kann.

Wie realitätsnah ist ein F1-Simulator für die Fahrer?

Mit der Weiterentwicklung der Software und Hardware von F1-Simulatoren kommen sie der Realität immer näher. Das macht sie umso nützlicher. Wenn der Simulator mehr wie ein echtes Auto gefahren werden kann und sich mehr wie ein echtes Auto anfühlt, fällt das Feedback präziser aus und das Team kann mehr Performance herausholen.

Moderne F1-Simulatoren verfügen über ein echtes Chassis, Pedale und Lenkräder, und die Fahrer werden oft mit Rennanzügen, Handschuhen und Helmen ausgestattet, um der Realität so nahe wie möglich zu kommen. Die Simulationshardware simuliert die Bewegungen eines F1-Autos mit beeindruckendem Realismus, so dass die Fahrer jede Bodenwelle, jedes Übersteuern und jeden Randstein spüren.

Anthony Davidson fährt seit über einem Jahrzehnt im F1-Simulator in Brackley. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Daten mit dem echten Auto übereinstimmen. Früher war das nicht der Fall, während es sich heute eher wie ein echtes Auto anfühlt“, sagt er über die Realitätsnähe der modernen F1-Simulatoren.

„Wenn ich die Art und Weise sehe, wie sich das Auto verhält und wie sich nicht nur die Hardware des Simulators selbst, sondern auch die Software verhält, dann behaupte ich, dass sich beides in gleichem Maße weiterentwickelt hat. Ich habe gesehen, wie die Simulations- und Rechenleistung ins Unermessliche gestiegen ist, und ich kann mir nicht vorstellen, wo sie in 20 oder 30 Jahren sein wird. Es hört nie auf.“

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